Fastentuch – Kreuzverhüllung – Ostertuch
Das Ostertuch im Kleinen Michel
Was in den vergangenen Wochen gewachsen ist, bleibt sichtbar – und hat sich zugleich verwandelt.
Das Hungertuch der Fastenzeit (s. Text und Bilder weiter unten) ist nun ein Ostertuch. Goldene Flächen durchziehen das Tuch hinter dem Kreuz. Je nach Lichteinfall beginnen sie zu leuchten – mal zart reflektierend, mal scheinen sie aus sich selbst heraus zu strahlen. Besonders in der Nähe des Kreuzes verdichtet sich dieses Leuchten.

Das Hungertuch im Kleinen Michel zur Fastenzeit 2026
Im Altarraum des Kleinen Michel entsteht ein Hungertuch, das im Laufe der Fastenzeit zur Kreuzverhüllung wird.
Die Basis bilden vier Leintücher aus Krankenhäusern. Auf ihnen lagen einmal Menschen. Sie alle wurden gepflegt, viele wurden geheilt, manche starben. In und an den Kranken- und Sterbebetten wurde gehofft und gebangt, gelacht und geweint. Es wurde gesprochen und geschwiegen, gebetet und verziehen.
Zwei der Leintücher wurden in Längstreifen gerissen und aneinander-genäht. Auf sie wurde die Heilsbotschaft der Fastenzeit geschrieben – sämtliche Lesungstexte von Aschermittwoch, über die fünf Fastensonn-tage bis zu Palmsonntag…
Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider. Joel 2
Bindet ihm die Binden ab und lasst ihn gehen! Johannes 11
Der Vorhang riss entzwei. Mt 27
Die beiden anderen Leintücher wurden in Querstreifen gerissen. Sie liegen an den Wochenenden wie ein Fürbittenbuch im hinteren Bereich der Kirche aus oder gehen zurück in die Krankenhäuser bzw. an andere Orte des Hoffens und des Bangens. Menschen sind eingeladen Namen auf ihnen zu notieren, Bitten zu formulieren oder Gebete zu schreiben.
Über die 40 Tage der Fastenzeit werden die Querstreifen in die Längs-streifen nach und nach hineingewoben. Auf diese Weise verwebt sich die Lebens- und Leidensgeschichte Jesu mit der von uns Menschen.
Wir nehmen Tuchfühlung auf und lassen uns zusprechen:
Durch seine Wunden sind wir geheilt. Jes 53
Stück für Stück webt sich so das Hungertuch und wird emporgezogen – bis es dann das Kreuz verhüllt. Jedoch das Tuch verbirgt nicht – es erzählt. Von einem Gott, der sich in unser Leiden hineinwebt und von Menschen, deren Geschichten in ihm aufgehoben sind.


(Text: P. Görtz SJ; Fotos: P. Görtz SJ, K. Hemke, T. Boese, F. Loudwin SJ)









